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Gerhard von Holy – Orgelkonzerte Nachtorgel – Kirche Dornum Gerhard von Holy Orgel St. Bartholomäus-Kirche Ostfriesland

Gerhard von Holy

Der Erbauer der Orgel,  getauft am 15.September 1687(?) in Aurich, gestorben am 3.Juni 1736 in Remscheid

Gerhard von Holy ist einer der interessantesten und qualitätvollsten ostfriesischen Orgelbauer. Seine genauen Lebensdaten sind leider unbekannt. In einer Bewerbung an den Fürsten Georg Albrecht um das Orgelbauprivilegium im Harlingerland (14.1.1711) nennt er sich „ein Land(es) Kind und Eingebohrner dieser Stadt“ (Aurich). Sowohl in dem Besteck vom 10.2.1710 für den Orgelbau in Jever wie auch 14 Jahre später beim Neubau der Orgel in der reformierten Kirche in Wetter/Ruhr heißt Holy „der Orgelbauer aus Aurich“. In den Auricher Kirchenbüchern konnte das Taufdatum Holys bisher nicht nachgewiesen werden. Doch findet sich auch im Begräbnisregister zu Remscheid vom 3.6.1736 Aurich als Geburtsort genannt. Nach der dort verzeichneten Altersangabe Holys (50) wäre er Anfang September 1686 geboren. Sein Vater ist aber nicht, wie bislang angenommen, der wiederholt in einer Hofrechnung von 1683 genannte „Meisterkoch“ Holy, ein Bediensteter des fürstlichen Hofes in Aurich, sondern der Weber Steffen Gerdes (Siefke Holy Steffens) aus Wittmund (gest. 1731), ein gebürtiger Auricher.

Dass der junge Gerhard sich bei Arp Schnitger in Hamburg zum Orgelbauer ausbildete, scheint so gut wie sicher zu sein, wenngleich nur mittelbare Hinweise vorliegen. Der wichtigste ist in dem „Attestat“ enthalten, dass der kurfürstliche braunschweigisch-lüneburgische Rat ihm im Jahre 1709 ausstellte. Hier heißt es , dass „de orgelmakers Matthyas Dropa en Gerh. V. Holy van Hamburg“ zum Bau der neuen Orgel in der Lüneburger Michaeliskirche berufen wurden. Dropa ist als Schüler Schnitgers bekannt. Wenn hier sein Name zusammen mit dem Holys genannt wird, so dürfte auch dieser Orgelbauer der berühmtem Werkstatt in Hamburg zuzurechnen sein. Von noch stärkerem Gewicht dürfte ferner die Tatsache sein, dass Holys Orgeln in Dornum und Marienhafe prospektmäßig und hinsichtlich ihrer Disposition das Gepräge des Hamburger Meisters tragen.

Im selben Jahr, 1709, befindet sich Holy dann in Aurich, um den „Kriegsläufen im Römischen Reich“ zu entgehen, sich in der Heimat niederzulassen und hier sein „Brot zu gewinnen“. Am 14.1.1711 bittet der junge Meister den Fürsten Georg Albrecht um das Privilegium im Harlingerland.

Holys Fürsprecher war der jeversche Landdrost Haro Joachim von Closter, der als Landvogt von Jever auf das seit 1710 in der Stadtkirche von Jever im Bau befindlicher Orgelwerk Holys und als Burgherr von Dornum auf das zur gleichen Zeit in der dortigen Kirche von Holy gebaute Instrument lobend hinwies. Daraufhin genehmigte der Fürst am 27.1.1711 Holys Antrag, verlangte aber von Holy in einem besonderen „Revers“, dass er „alle bey der Hoff-Orgel vorfallende kleine Arbeit umbsonst verrichte“. Außerdem sollte sich Holy im Harlingerland niederlassen. Diesem Verlangen trug der Orgelbauer bis zur Vollendung der Marienhafer Orgel Rechnung. Doch schon 1714 verzog er nach Jever, wo er im Sommer das große Werk von 32 kl. St. In der Stadtkirche vollendete, das am 13.9 von den Organisten J.H. Wichard, Oldenburg, und Chr. Witvogel, Varel, als „tüchtig und gut“ abgenommen wurde.

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Zu gleicher Zeit mit dem Neubau in Jever waren in Ostfriesland in rascher Folge Holy-Orgeln in Nesse, Dornum, Marienhafe und Esens (Waisenhaus) entstanden. Musikalische Autoritäten wie Joh. Jac. Druckenmüller in Norden und Adrian Bohlen in Jever bedachten diese Werke in ihren Gutachten mit hohem Lob. Jetzt aber schienen die Möglichkeiten in Ostfriesland erschöpft. Ein größerer Auftrag für die Kirche zu Esens, auf den Holy hoffen mochte, kam nicht zustande. 1714 bewarb er sich mit Unterstützung eines gewissen Simon Burg in Amsterdam um den Neubau der Orgel in der dortigen lutherischen Kirche. Eine erhalten gebliebene pompöse Prospektzeichnung (siehe rechts), die Holy am 29.1.1715 kurz nach seiner Abreise aus Amsterdam dem luth. Kirchenrat von Jever aus zuschickte, zeigt einen neuen Orgelgroßtypus ohne Rückpositiv. Seine Bemühungen blieben erfolglos. Vergeblich versuchte er seinen Konkurrenten Cornelis van Hoornbeek zu unterbieten, indem er von 8500 Gl. auf 6500 Gl. herunterging, ein Vorgehen, das ihm als „koopmanstactiek“ ausgelegt wurde. Aufs neue bewarb sich der Ehrgeizige um den Neubau der Orgel in der Groote Kerk zu Zwolle. Auch hier musste Holy zurückstehen.

Wenige Jahre später arbeitete er an sehr viel bescheideneren Objekten in der Grafschaft Mark (Westfalen). In den Jahren 1723-33 entstehen Orgeln für die lutherische und die reformierte Kirche in Wetter und für die Kirchen in Voerde, Lünen und Volmarstein. 1730/33 reparierte Holy die Orgel in Herdecke. Die Orgel in Volmarstein sowie die Gehäuse in Lünen und im Gemeindehaus zu Wetter sind noch heute erhalten.

Holy ist in Remscheid gestorben, wo er gerade mit Orgelarbeiten beschäftigt war. Die Eintragung im dortigen lutherischen Kirchenbuch (Begräbnisse 1735 – 1769) vom 3. Juni 1736 lautet: „Ist Gerhardus von Holy, gebürtig auß der Fürstl. Residentz-Stadt Aurich, welcher sich einige Zeit hieselbst alß Orgelmacher auffgehalten, auch über solcher Arbeit hieselbst gestorben, seines alters 50. Jahr weniger 3 Monath, begraben.“

Quellen:
Walter Kaufmann, Die Orgeln Ostfrieslands: Orgeltopographie, Ostfries. Landschaft, Aurich, 1968.
Martin Tielke (Hg.),Biographisches Lexikon für Ostfriesland, Bd. 1, 1993.